Ich hab' keiner Seele etwas zuleide getan,
ich hab' weder unterschlagen noch geklaut;
und doch nennt man mich Tunichtgut, schimpft man mich Scharlatan,
verhöhnen und verspotten sie mich laut!
Ich kann, wo ich will, hinkommen:
nirgends werd' ich ernst genommen!
Meinen Freunden bin ich nur ein steter Grund zur Heiterkeit.
Selbst beim Bäcker und beim Schlächter
hör' ich dröhnendes Gelächter;
der Drogist wiehert und gluckst wegen meiner Anwesenheit,
und er zeigt mit keckem Finger auf mich hin, ja, auf mich hin,
nur weil ich Meteorologe bin.
Zugegeben, es gab hin und wieder einen Fall, da war
das Wetter nicht ganz so wie prophezeit.
Das mit dem Schneesturm im August, das ging nicht so ganz klar;
auch die Hitzewelle zu Sankt Niklaus tut mir heute leid.
Dabei wies mein Augenzucken
und mein starkes Daumenjucken
ganz untrüglich auf ein ausgedehntes Skandinavienhoch!
Nun, es ging manche Prognose
unbestritten in die Hose.
Nur einmal im September 68 stimmte doch
die Vorhersage für Grönland immerhin, ja, immerhin,
weil ich ein Meteorologe bin!
(aus: "weil ich Meteorologe bin" von Reinhard Mey)
Das Smalltalk-Gesprächsthema Nr.1 der Österreicher ist wohl das Wetter, dann vielleicht die Politiker und dann kommt der Rest. Über's Wetter redet man zum Beispiel gerne, wenn man nicht weiß, was man reden soll und das Schweigen einfach nicht erträgt. Zwickt einem der rechte Zeh, dann ist das Wetter d'ran schuld. Ja, das Wetter hat schon seine praktischen Seiten. Und meistens ist es leider einfach nicht so, wie es sein sollte. Regen, wenn man gerne Sonne hätte, Sturm, den kann man sowieso nicht brauchen, Sonne, wenn wir's gerne kühler hätten und Kälte, wenn uns etwas Bräune nicht schaden könnte. Neuerdings hängt das ja auch mit dem Klimawandel zusammen. Und neuerdings haben auch die Ferien begonnen. Da wird auf passendes Wetter gehofft und alles fährt gleichzeitig in den Urlaub. Stau. Neuerdings hat man erkannt, dass das vielleicht ungünstig ist. Das soll sich jetzt ändern.
Veränderungen sind ja so eine Sache. Viele meinen sie wären gut. Sonst bleibt man stehen und das wär nicht gut. Manche meinen sie brauchen sie, aber wenn sie dann da sind, sind sie nicht immer so erwünscht. Das Wetter ändert sich und auch das Leben bleibt nicht stehen. Um mich herum verändert sich was, Beziehungen, Lebensumstände und ich mich selbst auch. Aber eigentlich sind die Menschen von heute immer noch die Menschen von gestern. Jeder will glücklich sein und ist auf der Suche danach. Das wird sich nie ändern. Keiner kann mir sagen, wie die Welt in 10 Jahren aussieht. Kein Meteorologe, kein Astrologe und sonst kein Mensch weiß genau um meine Zukunft bescheid. Es gibt nur einen, der mich und meine Zukunft kennt. Ich weiß, dass ER den Überblick hat und ich freu mich drauf!

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