...mir und dem Meer liegen mittlerweile zwar wieder einige Kilometer, aber ich hab's nicht vergessen. Tja, einmal. Einmal vor längerer Zeit da hatten wir noch Meeresanschluss. *seufz* Nun will ich mal erzählen, was wir da so alles erlebt haben. So geschichtsträchtige Orte haben ja allein deshalb schon was für sich. Ihr werdet gleich eins merken: Ich liebe Reiseführer. ;)
Istrien war heiß umkämpft. Illyrer, Kelten, Griechen, Römer und in Folge auch noch andere *zwinker* hatten ein Auge auf diesen schönen Teil des heutigen Kroatiens geworfen. Kaiser Augustus, zum Beispiel, war sehr fleißig und hat sich 14 v. Chr. das gesamte Gebiet der Illyrer eingeheimst. Der Legende nach, ließ ein gewisser Kaiser Vespasian (hui, ehemalige Lateinschüler, bei diesem Namen kommen alte Erinnerungen hoch) unter dem Einfluss seiner aus Pula stammenden Geliebten Antonia Cenida das sehr imposante Amphitheater erbauen. Wie romantisch...
Natürlich. Die Kroaten freuen sich und es tut ihrer Wirtschaft sicherlich gut. Aber naja, als "Entdeckertourist" will man halt auch wirklich entdecken und dies nicht mit 100 anderen Touris. Aber gut. Nun weiter.
1331 fielen die Venezianer über Pula her. Das tat der Stadt gar nicht: Raubzüge, Kriege und Seuchen ließen die Anzahl der Einwohner stark zurück gehen. Und dann *tuschtusch* setzte die österreichische Herrschaft ein (1797-1918), unter welcher Pula wieder einen Aufstieg erlebte. Die Stadt entwickelte sich zum wirtschaftlich wie militärisch wichtigsten Hafen des Kaiserreiches. Pula war Standort der österreichischen Kriegsflotte. Auch ein Stadtviertel mit prächtigen Wohnhäusern entstand. Weniger schön: die kroatische Bevölkerung war einer mehr oder weniger harten Assmilierung unterworfen. Aus ihr wurden Arbeitskräfte für die Industriebetriebe und Werften abrekrutiert. 50 000 Einwohner zählte die Stadt, wobei jeder vierte Soldat war. Amtssprache war damals Deutsch, Umgangssprache Italienisch. Schon krass irgendwie, wenn man so durch das ehemalige Kastell und durch die Gassen marschiert und auf soviel österreichische Geschichte stößt.
Wir haben uns noch einiges anderes angesehen, sind noch so in der Stadt herumgeschlendert und waren Essen. Als wir gerade beim Salat waren (der meist mit der Vorspeise oder als Vorspeise serviert wird), begannen die Kellner um uns herum plötzlich Sitzpölster und Schirme wegzupacken. Das hat die anderen Gäste und uns etwas, nun ja verunsichert. Vom Meer kamen so ein paar dunkle, unscheibare Wölkchen auf uns zu, die sich allmählich zu etwas Größeren auftürmten. Es begann zu regnen. Es wurde stärker und heftiger. Wir saßen unter unserem Schirm. Es prasselte. Die Kellner rannten hin und her und klappten die anderen Schirme ein. Nur die, unter denen Gäste saßen, wurden stehen gelassen. Ja, da saßen wir nun. Unter unserem Schirm. Der Wind war jetzt auch stärker und der Regen schon so stark, dass das Wasser die Straße hinunter lief. Irgendwann wars uns dann auch zu bunt und wir sind gegenüber ins dazugehörige Lokal hineingeflüchtet. Die Idee hatten außer uns noch ein paar andere Passanten und Gäste. Eine tapfere italienische Familie hielt durch und stand unter einem Schirm. Wir anderen standen alle im Eingangsbereich bei offenen Türen und sahen dem Regen und den vorbeilaufenden durchnässten Menschen und Kellnern zu. Die Kellner waren klitschnass und einer hatte seine wahre Freude daran breitgrinsend den Vorbeijoggenden Sachen wie "Heute gibt's keinen Regen, no, keinen Regen", "Schönes Wetter, es regnet hier nie" und "Schöner Tag!" hinterherzurufen. Alle lachten und er hatte eine Mordsgaudi.
Rund 65km nördlich von Pula liegt eine meiner Lieblingsstädte: Porec. Die Hauptattraktion ist dort die Euphrasius-Basilika mit ihren byzantinischen Mosaiken aus Perlmutt, Marmor und Halbedelsteinen in der Apsis. Darauf schließt sogar ein Baptisterium, also ein Taufbecken für Erwachsene. Wir waren auch am Renaissance-Glockenturm, der eine tolle Aussicht über die Stadt bietet. Man kommt übrigens nur über ein hoffentlich stabiles Holzgerüst auf diesen Turm. Dieses knarrt und bewegt sich etwas, während eine Schlange Touristen über die schmale Holztreppe balanciert. Viel Licht gibt's auch nicht, weshalb sich das ganz zeitweise als etwas schwierig erweist. :D
Ich find Istrien voll schön und urig. Landwirtschaft spielt eine wichtige Rolle, wobei das meiste für den Eigenbedarf produziert wird. Es gibt ganz viel Weinanbau, zudem werden auch noch Oliven, Gemüse, Obst und Getreide, sowie in Istrien auch Tabak angebaut. Fischfang ist für die Familien an der Küste ein wichtiger Nebenerwerb. Allerdings ist der Fischfang stark zurück gegangen, dafür hat sich der Schwerpunkt in Richtung Muschelzucht verlagert. In Pomer gab es noch so ein seltenes Exemplar: Unser Fischer. Das, was er am Tag oder in der Nacht davor gefangen hatte, gab's frisch auf einem Tablett serviert. Dann konnte man sich was aussuchen und das wurde dann zubereitet. *leckerschmecker*
Camping hab ich ja auch schon wieder uuur vermisst. Und wir haben echt einen voll schönen Platz im Pinienwald gefunden. Wir hatten viel Platz und waren praktischerweise ganz in der Nähe der Sanitäranlagen und des kleinen Supermarkets. Ab und zu kamen Hunde vorbei - einer machte bei uns Rast, bekam was zu trinken, ließ sich streicheln und trapte dann wieder ab. Beim Spazierengehen haben Stephan und ich ihn dann im Garten einer Villa entdeckt. Der muss ihnen wohl immer wieder entfleucht sein. Vielleicht war es aber auch ein von den Besitzern beabsichtigtes "Geh' Gassi". :)
Wie auch immer. Auf jeden Fall war es ein schöner Urlaub mit vielen Erlebnissen und netten Begegnungen. Na, gut, nicht alle waren nett. Zum Beispiel die eine italienische, ältere Dame, die uns mit ihrem Miniauto schnitt und uns dann wild gestikulierend und fluchend zu verstehen gab, dass sie eindeutig im Recht ist. :D Oder eine andere Begegnung: Während Stephan und ich die Zelte abbauten, kamen nette Gäste zum Vorschein. Wir verscheuchten und erschlugen insgesamt 7 Skorpione, jeweils ca. bis zu 3 cm groß. Giftig? Keine Ahnung, das wollten wir gar nicht so genau wissen. ;)
