Samstag, 20. Oktober 2007

Selma

Ich möchte leben.
Ich möchte lachen und Lasten heben
und möchte kämpfen und lieben und hassen
und möchte den Himmel mit Händen fassen
und möchte frei sein und atmen und schrein.
Ich will nicht sterben. Nein!
Nein.
(Meerbaum-Eisinger, Selma: Ich bin in Sehnsucht eingehüllt. Gedichte. Hoffmann und Campe, Hamburg 2006)

Selma wurde am 15.August 1924 geboren. Sie war ein junges Mädchen, das Gedichte über ihre erste Liebe und über die traurige Wirklichkeit schrieb, die sie dadurch zu verwandeln suchte. Sie starb am 16. Dezember 1942 mit 18 Jahren im SS-Arbeitslager Michailowska, entkräftet von Terror und Strapazen, an Flecktyphus. Doch sie hat etwas hinterlassen: 57 Gedichte gewidmet an ihren Freund Lejser. Dieser flüchtete mit dem Gedichteband aus einem rumänichen Arbeitslager und versuchte nach Palästina zu gelangen. Er gelangte nach Bukarest und bis an das Schwarze Meer. Das Flüchtlingsschiff, auf dem er sich befand, wurde von einem sowjetischen U-Boot am 5. August 1944, dem 20. Geburtstag Selmas, versenkt. Der Weg, auf dem die Gedichte gerettet und schließlich veröffentlicht wurden, ist mehr als erstaunlich. Mehr...

Ich bin über eine Homepage auf die Geschichte dieses Mädchens gestoßen und habe das Gedichteband kurz darauf geschenkt bekommen. Ich bin immer auf der Suche nach guten Büchern und liebe Gedichte. Was mich an ihren Gedichten so irrsinnig beeindruckt hat: Sie war 16 Jahre alt und hatte eine bewundernswerte Reife. Durch ihre Gedichte hat sie versucht zu verarbeiten, was um sie herum geschieht - ein Land, das in den Untergang geht und eine Liebe, die mehr Illusion als Wirklichkeit war. Sie schafft es mit Worten, das auszudrücken, was sie fühlt und sich gleichzeitig nicht in eine Traumwelt zurückzuziehen, sondern ihre Lebenswelt so zu sehen, wie sie war.

Ohne Worte

Mittwoch, 3. Oktober 2007

Das Neuste

Ich versuche schon wieder mal etwas sportlicher zu werden *g* Usi-Kurs: Konditionstraining mit Musik. Ein wahrer Hit. Es macht Spaß und danach fühlt man sich wieder. Das Gefühl liebe ich - so eine Mischung zwischen erfrischt, ausgepowert und dem Gefühl, dass man was für seinen Körper getan hat. Bestens: Der ältere Herr, der letztens neben mir in seinen hautengen und superpeinlichen Sportshorts geturnt hat. *hihi*

Zugerlebnisse

Kompliment: Als ich vor 2 Tagen in den Zug einstieg, um auf die Uni zu fahren, marschierte ich durch ein Abteil suchend nach einem Sitzplatz. Ein paar Jugendliche, schätzungsweise 16/17-Jährige, lungerten auf den kostbaren Sitzmöbeln der öbb herum. Als ich an ihnen vorbei ging, nahm einer ganz schnell seine Beine von der Sitzbank, sah mich im Vorbeigehen an und sagte leise ein andächtiges: "Woooow..."
Moi... *michgeschmeicheltfühl*

Letzte Woche hatte ich ein tolles Zugerlebnis der anderen Art: Als ich den Bahnsteig betrat und nach vorne ging, sah ich vor mir eine Frau
(höchstwahrscheinlich türkischer Herkunft) am Bahnsteig und ihren wahrscheinlich Sohn, der in der Tür des Zuges stand und mit ihr redete. Dadurch konnten sich die Türen nicht schließen und der Zug musste länger da stehen bleiben, wo er war. Das erfreute die junge Schaffnerin des Zuges nicht allzu sehr. Sie sprang raus und schrie: "Na, woas is jetzt?! Steig ma ei oder bleima draußen?" Woraufhin der Bursch sich für "drinnen" entschied und reinsprang. Die Türen gingen zu. Seine Mutter begann daraufhin hefitg auf Türkisch zu schimpfen (zumindest hörte es sich so an). Auf die Schaffnerin und im Allgemeinen direkt auf die, die sich am Bahnsteig befanden. Ich bekam auch mein Fett ab. Weil ich zu falschen Zeit am falschen Ort war und an ihr vorbei ging. Sie schnatterte mich wild gestikuliernd an und war auf 180. Ich ging weiter. Ja, ist ja auch wirklich eine Ungerechtigkeit - da hält man den Zug auf und dann macht einem auch noch wer darauf aufmerksam! Frechheit!

Auszug aus einer feministischen Studentenzeitung oder die feministische Verwirrung der Sprache

Wenn Kollegen im Scherzkisterl übernachten

Neulich war einer von ihnen einfach extrem witzig, als er ein E-Mail ans Team schickte, um seinen Urlaub anzukündigen:

Liebe Kolleg*, (Das kann ja noch so stehen bleiben.)
Ich bin auf UrlaubIn vom 27.2. - 3.3.2007. (Wahnsinnig witzig, der Erste!)
MS vertritt mich in FragInnen SoftwareInnen und ITInnen. (Wahnsinnig witzig, die Zweite!)
lg, Peter "Ice-T Master" MüllerIn (Ok, aus dem Nachnamen Müller eineN MüllerIn zu machen, ist vielleicht irgendwie witzig. Vielleicht.)

Natürlich bin ich nicht humorlos. Nein, ich kann lachen - aber bei solchen Witzen fühle ich mich verarscht und nicht ernst genommen.

Tja, das war wahrscheinlich auch Sinn und Zweck der Sache. ;) Also, ich finde, der/die Herr/Frau Peter MüllerIn hat Humor. :D

Neulich zeigte mir mein Bruderherz sein neustes Deutschschulbuch "Sprache heute":

"Rezipient" oder "Konsument" ist der/die Leser/in, Hörer/in, Seher/in. Er/Sie nimmt die Informationen mehr oder weniger aufmerksam und interessiert auf. Diese "Rezeption" hängt von mehreren Faktoren ab, die später genauer zu erläutern sind.

Autsch, das tut weh und macht das Lesen nicht unbedingt leichter! Es gibt wahrhaft wichtigere Dinge, als das Bemühen mancher "die Sprache vom Patriachat zu erlösen".

Unichaos

Ja, es ist schon wieder (wieder is gut, ich weiß ;) ) so weit. In den letzten Tagen war ich damit beschäftigt, mir meinen Stundenplan einzuteilen. Dabei muss man für jede Lehrveranstaltung (LV) , die man besuchen möchte, eine Präferenz (also: 1. Wahl, 2. Wahl usw.) setzen. Jeder kann nun mal nicht überall rein, auch wenn alle z.B. 200 Studenten genau DIE eine LV als Voraussetzung bräuchten. Der Computer entscheidet dann per Zufallsprinzip, wer wo reinkommt. Kommst du nicht rein, hast du Pech gehabt und musst wieder umeinandermurksen, damit du einen halbwegs ertragbaren Stundenplan hast, bei dem sich nicht wieder alles überschneidet.

Leider lieben alle Professoren anscheinend den Di: Ich müsste jeden Di theoretisch 2 verschiedene Vorlesungen gleichzeitig besuchen und manchmal zur selben Zeit auch ein Seminar. Wie meine Oma immer zu sagen pflegte: "Ma ko net mit an hintern auf zwoa kiatoag sei!" Ja, eigentlich geht das nicht, aber es muss gehen.
Derzeit gibt es in meiner Studienrichtung 7 verschiedene Studienpläne. D.h. die jetzt so wie ich Bakkalaureat Soziologie (geistes- und kulturwissenschaftlicher Zweig) studiert haben (gibt's erst seit einem Jahr) kennen sich im Moment überhaupt nicht aus. Alles wird auf Bachelor umgestellt und das bedeutet, dass wir einen anderen Studienplan kriegen. Bisher dachte ich immer, Bakkalaureat sei das deutsche Wort für Bachelor und Bachelor hieße übersetzt Junggeselle. *lach* ;)
Juhu, die Uni hat mich wieder!