Ich möchte leben.
Ich möchte lachen und Lasten heben
und möchte kämpfen und lieben und hassen
und möchte den Himmel mit Händen fassen
und möchte frei sein und atmen und schrein.
Ich will nicht sterben. Nein!
Nein.
(Meerbaum-Eisinger, Selma: Ich bin in Sehnsucht eingehüllt. Gedichte. Hoffmann und Campe, Hamburg 2006)
Selma wurde am 15.August 1924 geboren. Sie war ein junges Mädchen, das Gedichte über ihre erste Liebe und über die traurige Wirklichkeit schrieb, die sie dadurch zu verwandeln suchte. Sie starb am 16. Dezember 1942 mit 18 Jahren im SS-Arbeitslager Michailowska, entkräftet von Terror und Strapazen, an Flecktyphus. Doch sie hat etwas hinterlassen: 57 Gedichte gewidmet an ihren Freund Lejser. Dieser flüchtete mit dem Gedichteband aus einem rumänichen Arbeitslager und versuchte nach Palästina zu gelangen. Er gelangte nach Bukarest und bis an das Schwarze Meer. Das Flüchtlingsschiff, auf dem er sich befand, wurde von einem sowjetischen U-Boot am 5. August 1944, dem 20. Geburtstag Selmas, versenkt. Der Weg, auf dem die Gedichte gerettet und schließlich veröffentlicht wurden, ist mehr als erstaunlich. Mehr...
Ich bin über eine Homepage auf die Geschichte dieses Mädchens gestoßen und habe das Gedichteband kurz darauf geschenkt bekommen. Ich bin immer auf der Suche nach guten Büchern und liebe Gedichte. Was mich an ihren Gedichten so irrsinnig beeindruckt hat: Sie war 16 Jahre alt und hatte eine bewundernswerte Reife. Durch ihre Gedichte hat sie versucht zu verarbeiten, was um sie herum geschieht - ein Land, das in den Untergang geht und eine Liebe, die mehr Illusion als Wirklichkeit war. Sie schafft es mit Worten, das auszudrücken, was sie fühlt und sich gleichzeitig nicht in eine Traumwelt zurückzuziehen, sondern ihre Lebenswelt so zu sehen, wie sie war.

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