Tauben sind die Ratten Wiens (obwohl von den richtigen Ratten gibt's sicher auch genug ;) ). Sagt man. Eben eine solche saß mitten am Bahnsteig. Einfach so. Sie flog nicht weg, war vielleicht ein bisschen nervös, hat aber keine Anstalten gemacht zu flüchten. Hmm...nicht ganz koscher. Eine Frau meinte zu ihrem Enkel: "Schau, wie süß. Die könntma fast streicheln"
Tauben und süß?
Tauben sind ja so eine Sache. Als Nachbarin eines Taubenzüchters, weiß ich, von was ich spreche und habe gelernt, im Sommer mit alltäglichen Flugangriffen, verschissener Wäsche und "Massengrugrus" zurecht zu kommen. Und dennoch: Ich traue mich jedes Jahr aus dem Haus, obwohl die feindlicher Armada über unserem Garten schwirrt. Ja ich lege mich sogar wagesmutig in die Sonne (und bin bis jetzt noch nicht getroffen worden. bis jetzt...)! Ich bin Tauben gewohnt. Sind schließlich meine Nachbarn. Und manchmal, ja manchmal tun sie mir sogar ein bisschen (ganz ganz wenig) leid. Wenn sie verkrüppelte Füßchen haben und herumhinken. Das Mitleid verflüchtigt sich jedoch, sobald sie im heimatlichen Gefilde meine frische Wäsche verscheissen, in Sekundenschnelle.
Aber trotzdem. Diese Tauben können an unmöglichsten Orten ihre Nachkommen aufziehen. Wo die überall wohnen, glaubt man nicht. Sie sind ja eigentlich tolle Überlebenskünstler. Abgesehen von Taubenzüchtern, kenne ich keinen Menschen, der die Taube zu seinen Lieblingstieren zählt. Ok, jene die gerne Jungtauben am Teller haben und verspeisen vielleicht (jaja, solche soll's auch geben. Gschmackig), aber sonst...
Keiner mag sie, sie sind trotzdem überall. Und in Venedig gehören sie sogar zum romantisch verklärtem Bild des Markusplatzes.
Ich bin zwar ein Tierfreund, diese Freundschaft hat aber ihre Grenzen. Würde nie auf die Idee kommen, mich vor eine Taube zu werfen (auch solche Leute kenne ich. Wirklich erschreckend). Ich mag keine Leute, die mir auf der Straße nachlaufen und mich so lange traktieren, bis ich für 4-Pfoten spende. So genannte Mapperlmenschen, die den Job nur machen, weil sie das Geld brauchen und mir einreden wollen, wie böse ich bin, weil ich ihnen nicht sofort "Heureka, ich spende!" und meine Kontonummer entgegenbrülle. Menschen kommen bei mir eindeutig vor den Tieren. Tut mir leid, da bin ich hart.
Ich hatte ja eine ganz besondere Beziehung zu einem Mapperlmenschen, der letztes Semester immer vor der Uni oder praktischerweise im Weg stand, nämlich beim Aufgang U2 Schottentor. Nennen wir ihn einmal Robert. Seine "Verkaufsstrategie" war in erster Instanz einmal "Charme versprühen" bei weiblichen Passanten. Tja, lieber Robert, damit kommst du bei mir nicht weit. Sprüche wie "Du bist sicher a liabs madl. Du magst sicher Tiere. Ich nämlich auch..." (Zwinker, Grins) oder so nach dem Motto "Schöne Frau, ich hab dich doch schon mal im Hörsaal gesehen. Spende was, die Tiere kratzen ab" ziehen bei mir nicht.
Als er das gemerkt hat, kam er Tag für Tag mit einem anderen Schmäh. Vielleicht hab ich irgendwo auf meiner Stirn ein Schild kleben, wo der Schriftzug "Ich tu nur so, als ob du mir auf die Nerven gehst. Hier hast du mein Vermögen" drauf steht und ich hab's bloß noch nicht bemerkt. Der Gipfel war dann Strategie "Einschüchterung und Angst machen" als er mich mit einem anderen Mapperlmenschen vorm U-Bahn- Abgang am Abend eingekesselt hat und gemeint hat: "Na, du? Du magst sicher noch heim, oder? Du bist eine Frau, wir zwei Männer".
So. Da ist der Ofen aber entgültig aus! Da hab ich echt geglaubt, ich bin im falschen Film! Muss man sich jetzt schon ein Pfefferspray gegen Mapperlmenschen zulegen, oder wie?! Nach einer rescheren Antwort meinerseits, habe ich ihn nur noch einmal gesehen. Der soll sich nochmal blicken lassen!
Und so ist auch diese wundervolle Beziehung zu einem Mapperlmenschen und mein Fünkchen Glaube an engagierte Tierretter auf den Straßen in die Brüche gegangen.
