Montag, 28. April 2008

Was man denkt oder tut

Das Leben in seiner irrationalen Wirklichkeit, und sein Gehalt an möglichen Bedeutungen sind unausschöpfbar. - Max Weber

Ist das, was man denkt oder tut. Vom Zeitgeist wird bestimmt, was grad in und was grad out ist, somit auch bis zu einem gewissen Grad, wer dazugehört und wer eben nicht. Die Stellung des Einzelnen ist dabei wichtig. Das Ego steht an erster Stelle, sein Wohlergehen. Schlimm ist, dass dieses Kreisen ums eigene Wohlergehen kaum noch als Egoismus wahrgenommen wird. Ja, es wird als positiv bewertet, wenn jemand egoistisch ist. Derjenige hat einen gesunden Egoismus - "der wird es noch mal zu etwas bringen". Wenn eine Gesellschaft von einer solchen Grundhaltung geprägt ist, dann ist es ausgesprochen schwierig, klare Grenzen zu setzen, denn eine klare Eindeutigkeit behindert uneingeschränkte Einfaltung des Egos ungemein. So ist folglich der Zeitgeist durch fast nichts anders als durch verwaschene Grenzen geprägt. Man spricht nicht mehr von Gut und Böse und wertet beides entsprechend, indem das Gute als erstrebenswert dargestellt wird und gleichzeitg klargestellt wird, dass gegen das Böse vorgegangen werde muss. Vielmehr geht man davon aus, dass wir beides in uns haben - was letztlich stimmt - und deshalb auch beides zum Zug kommen muss - was nicht stimmt!

Diese inzwischen gängige Haltung findet besonders in den Medien und in der Kunstszene ihren Ausdruck. Es gibt immer mehr Darstellungn von Brutalität und Perversion ganz ohne Wertung oder aber mit der lapidaren Erklärung, dass es wichtig ist, seine Fantasien nicht zu unterdrücken, damit die Individualität nicht veloren geht. Es ist out gegen den Zeitgeist zu gehen, zu sagen, das man mit dem Bösen nichts zu tun haben will. Das Böse in uns wird beachtet, aber nicht mehr an seinen Platz verwiesen.

Sich schuldig zu fühlen gilt als psychischer Defekt und nicht als angemessene Reaktion auf ein Fehlverhalten. Es fehlt die Instanz, die genau definiert, was Gut und was Böse, was Wahrheit und was Lüge ist, weil sie durch das als absolut gesetzte Ego ersetzt wurde. Da ist dann auch kein Raum mehr für feste Werte oder gar Unterordnung oder den Gedanken an eine höhere Macht, die sehr eindeutig Werte setzt und Grenzen klar definiert. Gleichzeitig ist aber auch erkennbar, dass sehr wohl eine Sehnsucht nach Sicherheit und Orientierung besteht, nach Zugehörigkeit und Geborgenheit. Diese Sehnsucht findet ihren Ausdruck in toll gestalteten Wohnungen, die das Nest oder die Burg darstellen, wo man sich ausruhen kann. Man ist, was man hat, scheint der Leitsatz zu sein.

Menschen, die sich nicht nach dem Zeitgeist richten, werden in die Isolation verbannt. Viele Menschen denken aus lauter Angst nicht dazuzugehören, was alle denken, auch wenn sie dadurch ständig ihre eigenen Grenzen überschreiten. Dies geschieht oft bis zu einem Punkt, an dem sie jegliche Integrität oder oft sogar Würde verlieren. Meist ist durchaus die Bereitschaft vorhanden, auch mal anders zu sein oder den anderen in den Blick zu bekommen, es muss nur jemand da sein, der es vormacht und einen ersten Schritt tut. Es ist wichtig, eine Quelle für Werte und Maßstäbe zu haben, sowie eine feste Überzeugung, dass diese Werte und Maßstäbe konstruktiv und lebbar sind und positive Auswirkungen auf mich und andere haben.

Für mich persönlich ist diese Quelle die Bibel und ich habe damit großartige Erfahrungen gemacht. Kaum zu glauben, dass ein so altes Buch auch heute noch der Leitfaden für ein reiches Leben sein kann. Mit Gott im Rücken und in einer persönlichen Beziehung zu ihm kann ich mich trauen auch mal anders zu sein. Und ich stelle dann hin und wieder sogar fest, dass ich dabei gar nicht allein bin, sondern ich selbst bleibe. Ich bin dem Zeitgeist nicht ausgeliefert, sondern habe Raum zum Entdecken und Gestalten auch ganz anderer Denk- und Verhaltensweisen. (Antje Balters "Mut zum Nein sagen")

Hmm, wahr oder falsch?

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